Herausgegeben im Februar 2017

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Die Familienzeitung

Nach seiner behüteten Kindheit, seiner Schulzeit während des Nationalsozialismus und dem Abitur an der Oberschule im Februar 1944, wurde Ost-Rasol sofort zum Reichsarbeitsdienst und danach umgehend zur Wehrmacht einberufen.

Es kam bis Juni 1945 zur amerikanischen Kriegsgefangenschaft. Danach besetzten sowjetische Truppen L. Für Ost-rasol begann die Zeit der sozialistischen Diktatur. So geriet er in den Sog der politischen Ereignisse um die dann folgende Teilung Deutschlands.

Wenige Tage vor der Gründung der DDR wurde ein Schulfreund verhaftet. Ost-Rasol, verließ aus Furcht vor Verfolgung mit 23 Jahren im September 1949 bei Nacht und Nebel seine Heimatstadt Leipzig zunächst in Richtung West-Berlin und dann per Luftbrücke weiter nach Lübeck. Nach einigen Wochen gelang es ihm Ende 1949 in Essen auf Zeche oder wie der Volksmund sagte,  'aufm Pütt' Arbeit zu finden.

Mit der Arbeit erlangte Ost-Rasol Einkommen, Lebensmittelkarten und ein Dach über dem Kopf in einem Barackenlager für Jungbergleute.

Fortan bedrückte ihn nun die die Erwartung seines Vaters, im Westen eine Weiterführung der vom Großvater 1889 gegründeten Firma O.S.L. (OSTRASOL) in die Wege zu leiten. Die Teilung Deutschlands, die Nachkriegswirren und die völlig veränderten wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen verhinderten dieses Vorhaben. Die Enttäuschung des Vaters, die Teilung Deutschlands und andere persönliche Faktoren führten dazu, dass sich Vater und Sohn nie mehr persönlich begegnen und aussprechen konnten. Dieser durch den Tod des Vaters im Jahre 1959 nicht zu Ende ausgetragene Konflikt begleitet Ost-Rasol  bis zu seinem Tode. Er thematisierte das in seinem auf der rechten Seite stehenden Gedicht „Ausgependelt“.

Die Zeit im Bergbau war für ihn eine Schule besonderer Art. Die große Kameradschaft unter den Kumpel beeindruckte ihn sehr, gab ihm in gewisser Weise "familiären Halt". Sie half ihm, dem behüteten Kaufmannssohn, sich in der harten Arbeitsrealität des Bergbaus zurecht zu finden. Bereits nach wenigen Monaten musste er 1950 aus gesundheitlichen Gründen "ausfahren", blieb aber im Herzen sein ganzes Leben lang den Kumpel verbunden.


Nach dem Bergbau wurde er Straßenbahner bei der Essener Nahverkehrsgesellschaft und arbeitete als Schaffner, später als Straßenbahnfahrer. Er lernte seine Frau kennen, heiratete und man bekam 2 Söhne. Da die Gesellschaft Fachkräfte brauchte, wurde ihm die Möglichkeit gegeben, sich im Abendstudium bei der VWA weiter zu bilden. Nicht zuletzt durch die Unterstützung seiner Frau und mit eigener eiserner Disziplin brachte er dieses Studium erfolgreich zu Ende. Ost-Rasol kam in die Rechtsabteilung und wurde später Leiter der Schadensabwicklung in der Haftpflichtabteilung.
Nach seinem Eintritt in den Ruhestand Ende 1986 blieb er weiterhin auf vielen Gebieten aktiv.

Dank dieser Aktivitäten steht uns heute ein schier unerschöpflicher Fundus an Gedichten, Geschichen, genealogischen "Forschungsergebnissen", Anekdötchen, und literarisch aufgearbeiteten Erlebnissen aus seinem Leben zur Verfügung.


Am 08. März 2015 verstarb Ost-Rasol  im Alter von 89 Jahren und trotzdem für alle seine Angehörigen und Freunde viel zu früh.

Diese Seite soll uns an einen Menschen erinnern, der immer ein offenes Ohr für die Menschen hatte, denen er in seinem Leben begegnete. Besonders liebten ihn seine beiden Enkel S. Und F. sowie seine Großnichte M., Die ihm den liebevollen Namen „Oponkel“ gaben.

(JWO-JWO - Fürstenwalde/Essen, imFebruar 2017)

Ost-Rasol - ein Leipziger im Pütt

AUSGEPENDELT


Ausgependelt 

Die Schwingtür
die ich in dir
angestoßen
pendelt Licht
in deine Seele

schau mal
Vaters Garten
da schaukeln
flackernd
die Lampions
und über
Nachbars Laube
steigt groß und rund
der Mond empor

die vielen
alten Namen
weißt du noch
erinnerst dich
an Vaters Anekdoten
und Geschichten

zu hastig war es
das Erinnern
die Schwingtür
pendelt in dir
müde aus
ratlos irren
deine Blicke
hin und her
glanzlos trauern
deine Augen

wo sind die lichten Bilder
wer hat sie ausgelöscht
die Nacht wird lang
und dunkel werden
ohne den Mondschein
über Vaters Garten

Ost-Rasol Gedichte reduce.pdf

ZEITLEISTE

In Leipzig geboren

20.05.1926

Einberufung zunächst zum Reichs-arbeitsdienst und später zur Wehrmacht

1944

Amerikanische Kriegsgefangenschaft

1945

Flucht von Leipzig nach Essen aus Angst vor politischer Verfolgung

1949

Ost-Rasol   R. I. P.

Mit 80 plus 8 gedacht


Der Weg ist das Ziel sagt Buddha

wandere ich innerlich

den meinen

stapfe ich mit sehr

ermüdeten Beinen

wie durch tiefen Sand


neben meinem Weg

schaukeln Trauerweiden

im Winde meines Schicksals

dicht behängt mit

schwarzen Fragezeichen


die hoffnungsblaue

Milchglasscheibe

am Wegesende

trüben Zweifelsnebel


ob es denn die Hand gibt

die durch die Fläche stößt

frage ich mich

die mich hinüberzieht

über den Schlund

 

 

Sein letztes Gedicht 2014

08.03.2015

An diesem Tag schloss Ost-Rasol für immer seine Augen

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Verwendung der Grafik "Kohle-Buch" mit freundlicher Genehmigung von
Susanne Weiss, designstudio medienweiss 

Impressionen aus dem Ruhrpott

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