Herausgegeben im Februar 2017

   (c) by JWO-JWO WebPlus X8

(c) by JWO-JWO

Die Familienzeitung

Etwa um 1998 fiel mir durch Zufall dieser sogenannte Ariernachweis, den im 3. Reich jeder anfertigen musste, in die Hände.Die eingekreiste Eintragung wies auf einen Joseph Carl Juckwer hin, welcher in Mittenwalde Scharfrichter gewesen sein soll. Damit war ich "infiziert".es begann eine lange "Reise" durch die Geschichte, die mich von Mittenwalde über Cöpenick (Berlin Köpenick - damals noch eigenständiges Fischerdorf) quer durch die Mark Brandenburg nach Eberswalde, Küstrin und zum Schluss - überraschender Weise - wieder zurück in meine Heimatstadt Fürstenwalde an der Spree führte. Hier sei angemerkt, dass diese "Reise" nur möglich war, weil mich Frau Dr. Ilse Schumann aus Klein Machnow dabei "begleitete". Sie beschäftigte sich schon sehr lange und intensiv mit den Scharfrichtern in Brandenburg.


Mit Andreas Haßelbarth taucht erstmals einer meiner Vorfahren als Besitzer der Scharfrichterei in Fürstenwalde auf. Nachweislich übte er dieses Amt von 1686 bis 1690 aus. Über seine Ehefrau und seine Kinder sowie über Herkunft, Geburt und Tod ist nichts weiter bekannt.

Bekannt ist aber, dass eine seiner Töchter, Catharina Haßelbarth, den Sohn des Eberswalder Scharfrichters, Christian Gutschlag heiratete, der die Fürstenwalder Scharfrichterei weiter führte. Der Beruf des Scharfrichters durfte nur von männlichen Nachkommen ausgeübt werden, so dass weibliche Nachkommen von Scharfrichtern immer wieder gezwungen waren, Männer zu heiraten, die bereits aus einer anderen Scharfichterdynastie stammten oder aber als Quereinsteiger bereit waren, diesen „unehrlichen Beruf“ auszuüben. Geld war dabei nie ein Problem, denn Scharfrichter waren für damalige Verhältnisse sehr wohlhabend.


So war es auch in meiner Familie. Die Scharfrichtereien gingen fast ausschließlich über die weibliche Linie weiter. Die Tochter aus der Verbindung Haßelbarth/Gutschlag heiratete zunächst den Scharfrichter Christian Reinknecht, nach dessen Tode aber noch einmal den Scharfrichtersohn aus Radeburg, Johann Christian Untermann


Aus der Zeit Untermanns ist oben zu sehende Stich überliefert. Er zeigt die damalige Stadt Fürstenwalde von der Spree aus. Ganz rechts an der Stadtmauer das Schloss, in der Mitte Dom und Rathaus. Ganz links vor den Toren der Stadt (Müncheberger Tor) eine kleine Ansammlung von Häusern. Dort befand sich auch das damalige Scharfrichterhaus. Über dieser Häusergruppe ist der Galgenberg mit einem dreibeinigen Galgen zu erkennen. Heute liegt dieser Galgenberg mitten in der Stadt zwischen Gartenstraße und Bergstraße hinter dem Fürstenwalder Hof.


Auf einem alten Foto, welches etwa Anfang 1900 aufgenommen wurde, kann man das ehemalige Scharfrichterhaus noch gut erkennen. Es stand neben dem Gasthaus zum „Goldenen Löwen“, wegen der Nähe zu Scharfrichterhaus im Volksmund auch „zum Blutigen Knochen“ genannt. Später, nach dem Tode Johann Philip Untermanns 1755 wurde die Scharfrichterei zunächst an seine Frau und nun Witwe Eva Maria vererbt, mit der Maßgabe, dass der älteste Sohn die Geschäfte ausübt. Seine Geschwister hatte er zu gleichen Teilen auszuzahlen. Die Modalitäten dazu sind vom Oberlandesgericht in Frankfurt/O 1771 genauestens bestimmt worden.

Um 1835 war die Scharfrichterei in die Trebuser Straße umgezogen, weil eine Abdeckerei, die ja in jedem Falle dazu gehörte, mitten in der Stadt nicht mehr tragbar war. 1875 zog sie nochmals um in die "Morgenländer" hinter der Durin'schen Ofenfabrik. Das zeigte Carl Geiger, Scharfrichter am 24.02.1875 im Fürstenwalder Wochenblatt No. 16 an. Gemeint war offensichtlich die Forststraße (heute Ehrenfried-Jopp-Str.) In dem Vorher angezeigten Dokument des OLG Frankfurt/O hat das ganz unten Frau Dr. Ilse Schumann auch noch einmal festgehalten.


Joseph Christoph Untermann war es auch, der 1725 die letzte öffentliche Hinrichtung in Fürstenwaldevorzunehmen hatte. Dr. Goltz berichtete darüber in seiner Stadtchronik und auf einer der folgenden Seite kann dieses Thema sowohl geschichtlich ernst als auch als blutige Geschichte mit einem Augenzwinkern vertiefen.



Meine Vorfahren die Scharfrichter in Fürstenwalde

INTERESSANTES

Scharfrichter verdienten ihr Geld nicht nur mit Hinrichtungen. Das wäre viel zu wenig. Die Haupteinahmequelle war z. B. Die Beseitigung und Verwertung von Tierkadavern aus der Stadt.

Darüber hinaus verfügten sie oft über Kenntnisse der Anatomie und waren als Heiler tätig.

Scharfrichter waren wohlhabend

Unehrlich heißt hier nicht, dass sie gelogen hätten aber es waren keine „ehrbaren Zünfte“, wie z. B. die Handwerker.

Es zählten neben den Scharfrichtern auch Bader, Büttel (Polizist und Gerichtsdiener), Müller, Schäfer, Töpfer, Turmhüter (Nachtwächter), Weber, Zöllner, Rossschinder, Tierverschneider, Chirurgen, Gaukler, Gassenfeger, Hebamme, Heilkünstler, Schneider dazu.


Die Scharfrichter waren „unehrlich“

ZEITLEISTE

Mit Andreas Haßelbarth die erste bekannte Erwähnung eines direkten Vorfahren als Besitzer der Scharfrichterei in Fürstenwalde.

1686

Johann Christoph Untermann, Scharfrichter in Fürstenwalde, heiratet Eva Maria Gutschlag.

1703

Johann Christoph Untermann nimmt die letzte öffentliche Hinrichtung in Fürstenwalde vor

1725

Sein Sohn, Georg Philip Untermann verfügt in seinem Testament die Aufteilung der Scharfrichterei Fürstenwalde an seine Witwe Eva Maria (geb. Franz) und seine Kinder

1771

Scharfrichter in Deutschland trugen niemals eine rote Kapuze, wie auf Abbildungen vielfach gezeigt wird.

Diese Darstellungen gehören ins Reich der Phantasie und haben ihren Ursprung hauptsächlich in der Unheimlichkeit der Scharfrichterei in den Gedanken der einfachen Bevölkerung.

Die rote Kapuze gab es nicht

Um 1770
Um 1770

Die Tochter Cathariner Elisabeth heiratet den Scharfrichter Carl Christian Ackermann aus Dorau, der die Scharfrichterei Fürstenwalde weiter führt.

Die Tochter Maria Elisabeth heiratet den Scharfrichter Johann Christoph Hahn, deren Tochter Dorothea Friederike später den Joseph Carl Juckwer heiratet.

Ein wenig Spaß muss auch sein